Das Trainingsraum-Programm

Beim Eintritt in die Grundschule haben viele Kinder noch nicht gelernt, sich an die sozialen Grundregeln zu halten, um einen – auch für sich selbst – sinnvollen Unterricht zu ermöglichen. Um allen Schülern die geforderten Inhalte, Fertigkeiten und Fähigkeiten vermitteln zu können, hat sich das Kollegium der Gräfin-Maria-Bertha-Grundschule dazu entschlossen, das Ford-Programm in der Überarbeitung von Frau Dr. Bründel einzuführen. Die Grundidee dieses Programms ist, Schüler, die den Unterricht stören, in einen gesonderten Raum („Trainingsraum“) zu schicken und sie dort zum Nachdenken über ihr Verhalten zu bringen. In allen Klassen haben die Schüler und Lehrer gemeinsam grundlegende Verhaltensregeln entwickelt. Wenn ein Schüler gegen diese Klassenregeln verstößt, greift das Ford-Programm.

Dem Schüler werden folgende Fragen gestellt:

1. Was machst du gerade?
2. Wie lautet „unsere“ Regel?
3. Was geschieht, wenn du gegen die Regel verstößt?
4. Wofür entscheidest du dich?
5. Wenn du wieder störst, was passiert dann?


Da der Schüler den Ablauf der fünf Fragen genau kennt, weiß er um die Konsequenz und hat sich somit im weitesten Sinne selbst für den Besuch des Trainingsraums entschieden.

Hier führt eine Lehrerin mit dem Schüler ein Gespräch über dessen Verhalten, die Ursachen dafür und über Möglichkeiten der Besserung. Ziel dieses gemeinsamen Gesprächs ist es nicht, den Schüler zu „belehren“ oder zu „tadeln“. Stattdessen soll der Schüler über sein eigenes Verhalten/Fehlverhalten nachdenken, sich über die Konsequenzen seines Handelns Gedanken machen und selbst Lösungsmöglichkeiten finden. Dabei reicht es nicht aus, dass der Schüler sagt, was er nicht mehr machen will. Er muss stattdessen sein Ziel -  ein von ihm angestrebtes positives Verhalten formulieren. In dieser Phase des Nachdenkens wird der Schüler von der Trainingsraumlehrerin unterstützt. Anschließend muss der Schüler seine „Ziele für die kommende Zeit“ in einem vorgefertigten Formular schriftlich fixieren. Dieses Formular wird sowohl vom Schüler als auch von der Lehrerin unterschrieben. So wird aus dem Schriftstück ein schriftlich geschlossener Vertrag.

Wenn ein Schüler ein Großziel wie z.B. „erfolgreich im Unterricht mitzuarbeiten“ formulieren sollte, so wird dieses Gesamtziel in viele kleine Teilziele untergliedert und es wird zusammen mit dem Schüler ein Verstärkerplan für jeweils eine Schulwoche ausgearbeitet. 

Zum Ende jedes Trainingsraumbesuchs wird noch ein Kontrolltermin vereinbart, an dem überprüft werden soll, ob der Schüler sein Verhaltensziel erreicht hat oder ob noch weitere gemeinsame Überlegungen zu einem angemessenen Unterrichtsverhalten nötig sind. Der Schüler darf anschließend seinen Namen auf die Wanddekoration (eine Raupe) schreiben. Über ihr steht in großen Buchstaben „Ich habe es geschafft, mich zu ändern.“ Dabei muss die Trainingsraumlehrerin am Kontrolltermin unbedingt den Aussagen des Schülers glauben. Falls sie andere Informationen durch die unterrichtenden Lehrer hat, so muss sie den Schüler auffordern, über diese Einwände nachzudenken.

Im Trainingsraum legt die Dienst habende Lehrerin einen Schülerbogen für jeden Schüler an. Besucht ein Kind innerhalb einer Unterrichtsperiode (von Ferien zu Ferien) mehr als fünfmal den Trainingsraum, werden die Eltern zu einem Gespräch in die Schule bestellt.

Am Trainingsraum-Programm nimmt die gesamte Schule teil.
Nachdem sich die Kinder der 1. Klassen eigene Klassenregeln gegeben haben, können sie ebenfalls den Trainingsraum besuchen.

Da der Trainingsraum ein Raum ist, in dem Schüler die für sie nötige Hilfe zur Selbsthilfe erhalten können, ist es
nicht nur das Recht eines Lehrers, einen Schüler zu schicken,
sondern ebenfalls das Recht eines Schülers, freiwillig diesen Raum zur Klärung eigener Schulprobleme besuchen zu dürfen.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass Schülergruppen, die untereinander im Streit liegen, den Trainingsraum – freiwillig oder vom Lehrer geschickt – besuchen können, um gemeinsam nach Möglichkeiten der Deeskalation zu suchen.

Voraussetzung einer effektiven und kontinuierlichen Arbeit mit dieser Trainingsraum-Methode ist es, den Trainingsraum täglich mit einer Lehrkraft zu besetzen. Für Kinder im Grundschulalter ist es wichtig, dass die Besprechung über Probleme zeitnah geschieht. In diesem Schulhalbjahr ist unser Trainingsraum an jedem Schultag mindestens eine Unterrichtsstunde lang durch eine der drei Trainingsraumlehrerinnen besetzt.