Projekte mit externen Künstlern


 

I n h a l t :

1. Projekt mit externen Künstlern an der Gräfin-Maria-Bertha-Grundschule – Vom mus-e Projekt zum Projekt „Kinderkunst für Pium

2. Theaterarbeit durch und nach dem mus-e-Projekt

 

V o m   m u s - e   P r o j e k t   z u m   P r o j e k t   „K i n d e r k u n s t   f ü r   P i u m“

Mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 nahm unsere Grundschule am mus-e Projekt der Yehudi Menuhin Stiftung teil und blieb bei dieser Kooperation mit externen Künstlern bis zur Insolvenz des mus-e Projekts am Ende des Schuljahres 2010/11. Dabei nahmen beteiligte Schulklassen an Theater- bzw. Trickfilmprojekten und an Projekten der bildenden Kunst teil.

Grundlegend für die Projektarbeit war, dass jede beteiligte Schulklasse drei Schuljahre lang in die künstlerische Projektarbeit eingebunden war, sodass die Chance auf nachhaltige Veränderungen in der Schülerpersönlichkeit und im Lernklima der Gruppe bestand.

Durch die langfristige Beteiligung an künstlerischen Projekten kann der Schüler …

1. verschiedene menschliche Ausdrucksformen durch Worte, Stimmfarbe, -klang und –geschwindigkeit, Mimik sowie Gestik kennen lernen.
Der schulische Unterricht fördert stärker das sachlich, logische Sprechen und beachtet die „emotionalen Botschaften hinter den Worten“ eher wenig.
 
2. seine Wahrnehmungsfähigkeit in verschiedensten Lebensformen schärfen, weil er sich z.B. in Theaterprojekten in die gespielte Rolle hineinversetzen muss und so viele Facetten einer scheinbar kurzen Handlung erleben darf.
 
3. sich mit seinem Körper und allen möglichen Ausdrucksformen  auseinandersetzen und somit zu einem eigenständigen Körperbewusstsein gelangen.
 
4. seine eigene Kreativität zulassen, erleben und genießen.

In Theaterprojekten  mit freier Themen- und Rollenwahl bestimmt der Schüler, wer er sein will und wie er sein will. Alle Ideen werden gleichberechtigt erprobt, nichts wird als „nicht gelungen“ abgetan. Das stärkt das Selbstvertrauen in das eigene     
Können sowie die eigene Kritikfähigkeit, denn der oder die Schüler selbst entscheiden über die Annahme oder Weiterentwicklung aller Ideen.
Im Schulunterricht mischt sich der Lehrer stärker ein, weil er bestimmte Unterrichtsziele in einer bestimmten Zeit und oft mit vorgegebenen Mitteln zu erreichen versucht.
 
5. seine Lernfreude und Ausdauer steigern, weil alle künstlerischen Arbeiten aus seiner eigenen intrinsischen Motivation erwachsen.
 
6. seine künstlerischen Ausdrucksformen er- und ausleben.
Die Basis dafür bilden die oben genannten Punkte 1 bis 4.
 
7. durch die Veröffentlichung seiner Arbeiten und Leistungen einen Zuwachs seines persönlichen Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens erleben.
 
8.  seine sozialen Kompetenzen wesentlich verbessern, indem er sein Gegenüber in vielfältiger Hinsicht wahrnimmt.
 So bemerkt er leichter, ob sein Gegenüber die Rolle des Hoch- bzw. Niedrigstatus anstrebt und welche Gefühle er ohne Worte ausdrückt bzw. zu verstecken versucht. Durch eine so entstandene durchsichtige Kommunikation ergibt sich die Chance zu Empathie.  Die wiederum verbessert das Klassenklima und schafft die Basis, dass sich der Schüler zu einem sozial verantwortlichen Erwachsenen entwickeln kann. Ein wichtiger Beitrag zur Gewaltprävention ist so geleistet.
 
9.  seine Teamfähigkeit wesentlich verbessern, denn es gibt weder den Chef als Künstler, den Chef als Lehrer oder den Chef als leistungsstarker, durchsetzungswilligen Mitschülers.
 Alle stehen gleichberechtigt vor der Herausforderung, durch Versuch und Irrtum, durch Argumentieren und Absprachen zu einer von allen Beteiligten verantworteten Idee zu kommen. Jeder Schüler ist also ein gleichberechtigtes Mitglied eines sozialen
Gefüges.
 
10.  zu einer veränderten Sichtweise auf seinen Lehrer kommen.
Während sich der Lehrer im Schulunterricht an den Richtlinien, den Jahrgangsplänen und an den Beurteilungskriterien orientieren muss, kann er hier zu einem Partner des Künstlers und der Schüler werden. Die neue Rolle als Beobachter, Förderer und
Unterstützer macht ihn für seine Schüler menschlicher und partnerschaftlicher.
 
11. ganz neue Qualitäten seiner eigenen Klassenkameraden erleben.
Während der normale Schulunterricht leicht die Schüler verführt, die „Güte“ des jeweils anderen nach seinen benoteten Leistungen in Deutsch bzw. Mathematik festzulegen, verdeutlicht jedes „Kulturprojekt mit allen Sinnen“, dass Menschen aller
Kulturen, aller Sprachkreise, beiderlei Geschlechts, mit oder ohne Behinderungen die gleichen Möglichkeiten des Ausdrucks besitzen und ausleben.
Somit unterstützt ein Kulturprojekt die Integration und Chancengleichheit und wirkt sich positiv auf das gesamte Schulleben aus.
 

 Die Wahrscheinlichkeit auf eine nachhaltige Wirkung des mus-e Projekts war durch die dreijährige Dauer groß. Zum jetzigen Zeitpunkt muss sich unsere Schule mit dem Neustart eines auf jeweils ein Schuljahr angelegten Kulturprojekts zufrieden fühlen, weil, wie zu Beginn erwähnt, das mus-e Projekt insolvent ist und das Projekt „Kinderkunst für Pium“ zur Zeit von der Stadt Borgholzhausen aus Überzeugung finanziell gemeistert wird. Sie garantiert für beide Grundschulen die Umsetzung in den 4. Klassen (2011/2012) bzw. den 3. Klassen (2012/2013).

Wir freuen uns, in einer Gemeinde unterrichten zu dürfen, in der Kunst, Kreativität, Selbstbewusstsein,  Gewaltprävention und Toleranz wertgeschätzt werden.

 

T h e a t e r a r b e i t  d u r c h    u n d   n a c h   d e m   M U S - E - P r o j e k t                                                 zurück


Im Laufe des Schuljahres 2010/11 musste das MUS-E Projekt der Yehudi Menuhin-Stiftung Insolvenz anmelden. Alle, die an unserer Schule am MUS-E Projekt beteiligt waren, fürchteten ein vorzeitiges Ende des laufenden Theaterprojekts. Dank der finanziellen Unterstützung der RWE und der Stadt Borgholzhausen konnte die Theaterarbeit an unserer Schule fortgesetzt werden. Wir danken dafür ganz herzlich. 
Auch hoffen wir, dass durch die weitere finanzielle Beteiligung zukünftige künstlerische Projekte an unserer Schule möglich bleiben. Dass sich diese Arbeit für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler lohnt, macht die Arbeit zum Musical „Ein Fest für König Gugubo“ überdeutlich.


„Ein Fest für König Gugubo“, 
gemeinsam aufgeführt von allen Schülern der vierten Klassen

Im Juni 2011 führten alle Viertklässler gemeinsam in der benachbarten Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule das Musical Ein Fest für König Gugubo auf. Als Grundlage dienten Buch und CD der Gruppe „Die Fünf“. Zusammen mit der Theaterpädagogin Saskia Zimmerer, die dieses Projekt ein Schuljahr lang begleitete, entwickelten die Schüler eigene Ideen, eigene Personen, eigene Lieder und eigene Tänze. Kurz um – fast alle kreativen Einfällen der Schüler konnten selbstständig bis zur Aufführungsreife weiter entwickelt werden. Da es keine festgelegten Texte gab, konnten die Schüler unter Berücksichtigung der mündlich vereinbarten Szenen und unter Berücksichtigung der grundlegenden Theaterregeln bis in die Aufführung hinein improvisieren. Neben gespielten, gesprochenen Szenen gab es Songs und Raps, die völlig frei, zur Orchestermusik oder zur CD-Begleitung vorgetragen wurden und viele selbst erfundene Tänze. „Ein Fest für König Gugubo“ kann deshalb als Feuerwerk der Lebensfreude, Kreativität, Eigenverantwortlichkeit und des Gemeinsinns aller Viertklässler gelobt werden. Ein Hoch auf Saskia Zimmerer, die dieses Projekt mit geduldigem Grundvertrauen in die Schaffenskraft der Viertklässler begleitete und der es gelang, die Szenen der drei Schulklassen so zusammenzufügen, dass die Arbeit unterschiedlicher Klassengruppen in einem gemeinsamen Werk mündete.

Dank ihrer Verbindungen zu jungen Künstlern war es möglich, dass die Musik des Musicals nicht nur von der CD eingespielt werden musste. Sie organisierte ein Jugendorchester bestehend aus Musikern weiterführenden Schulen des Altkreises Halle unter der Leitung des Studenten Stefan Prill. Dies Orchester begleitete den Solo- oder Chorgesang der Schüler und bot zusätzlich eine von Stefan Prill selbst komponierte Ouvertüre. 

Hier eine Zusammenfassung der gesprochenen, gesungenen und getanzten Handlung:

Im Musical „Ein Fest für König Gugubo“ spielen Phantasiefiguren in der frei erfundenen Steinzeit. Grete, die Ehefrau des Riesen Matzes, beauftragt ihren Mann, alle Bewohner des Gugu-Tals zum Geburtstag des schusseligen Steinzeitkönigs Gugubo einzuladen. Matze lädt fast alle ein, nur nicht die Miesmacher. Zunächst trifft Matze auf die Gugus und spielt lieber mit ihnen, anstatt wie seiner Frau versprochen einen Tanz als Geburtstagsgeschenk einzuüben.

Zusammen mit den Gugus trifft er die Tschuks, die nichts als Tschuk sagen können, gerne Blumen essen und tanzen. Zu Gretes Ärger lieben es die Rap-Mäuse, jegliche Musik aufzupeppen, sodass Gretes Heimatmusik nicht wieder zu erkennen ist.  Zwischendurch wird Grete von einem Buddler geärgert, der sehr zu ihrem Verdruss Löcher in ihrer gemütlichen Wohnhöhle gräbt und sich von Grete dabei völlig missverstanden fühlt.

  

 

Während die Köchinnen einen leckeren Schlabbersalt für König Gugubos Fest zubereiten, planen die Miesmacher, eben diesen Schlabbersalat zu verderben. Heimlich rühren sie deshalb die riesige, aber ekelige Gugu-Bongobeere in den Salat und streiten sich dabei über unaufgeräumte Zimmer und verschwundene Schlüssel. 

Die Jäger und Sammler wollen Gugubo ein Lied ihres Männergesangvereins zum Geburtstag vortragen und einen erlegten Drachen mitbringen. Den Gummibärchen fressenden Drachen nehmen sie aber lieber mit, als ihn zu töten. Unterwegs zur Geburtstagsfeier treffen sie auf das Behomot, das Witze aller Art als eher bedrohlich als witzig empfindet.

     

  

Auf seiner Einladungstour trifft Riese Matze auf eine Schulklasse voller Knörfe, die mit ihrer Lehrerin das Feuermachen, das Braten von Stein-Chips und die Wandmalerei üben. Gugubo selbst besucht den Wotz, einen Worteerfinder, und bittet ihn, zusammen mit seiner Tochter Wotzeline und dem Roboter R2D2 die traurigen Eulen so umzustimmen, dass auch sie zu seiner Geburtstagsfeier kommen. Schließlich erscheinen die Ritzis, kleine, freche Kobolde, die sich eine Freude daraus machen, jeden in ihrer Nähe zu erschrecken. Besonders erfolgreich sind sie bei den schreckhaften Holzis, die damit beschäftigt sind, zwei Statuen für Gugubos Geburtstag zu schnitzen. Ihre Arbeit wird durch den gefräßigen Brockel gestört, der ihr frisches Statuen-Holz anknabbern will, und durch zwei verirrte Wissenschaftler aus der Neuzeit, die sich eigentlich auf den Mond und keineswegs in die Steinzeit beamen wollten. Dank ihres Knowhows gelingt es, die Statuen in ferngesteuerte Roboter zu verwandeln.

      

Enttäuscht und traurig wartet Gugubo auf seine Gäste, die allesamt zu spät eintreffen. Gugubos Freude über ihr Erscheinen weicht schnell einer riesigen Enttäuschung, als die Miesmacher auftreten und den Gästen das Fest so vermiesen, dass alle nur noch nach Hause wollen. Erst als Gugubo in seiner Unbeholfenheit in seinen eigenen, ekeligen Schlabbersalt fällt und anschließend mitten auf sein riesiges Geschenk stürzt, kehren alle Gäste lachend um und feiern ein großartiges Geburtstagsfest.

Wir wünschen und hoffen, dass diese großartige Theaterarbeit für nachfolgende Schülerjahrgänge fortgesetzt werden kann.

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