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Das werden die Lehrer unserer Schule immer wieder von Menschen
außerhalb
unserer Schule gefragt.
Beim ersten Hinhören finden sie unseren Schulnamen viel zu lang. Sie finden auch, dass der Name wie aus
früheren Zeiten klingt. Viele Borgholzhauser Bürger allerdings, die die Gräfin noch kannten,
freuten sich mit uns über die Namensgebung durch den Stadtrat im Jahr 1999.
Warum also wurde einer modernen Grundschule dieser Name gegeben?
Für uns steht der Name für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.
Er steht für Hilfsbereitschaft ganz besonders den Kindern gegenüber.
Nicht ohne Grund wurde "unsere Gräfin" in der lokalen Presse
die "Mutter Theresa des Ravensberger Landes" genannt.
Sie war ein großer Mensch, der unsere Hochachtung verdient und ein Vorbild sein kann.
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Was für ein Mensch war sie und was hat sie getan,
dass unsere Schule nach ihr benannt wurde?
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Da gibt es Vieles:
Zeitlebens
war sie ein bescheidener Mensch.
Sie lebte ganz einfach, trug einfache Kleidung wie Arbeitskleid,
Schürze und früher Holzschuhe und machte die
Arbeiten, die die meisten Frauen taten. Sie kochte, wusch die
Wäsche, putzte das Haus und versorgte den Garten.
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Da ihr Mann und sie keine eigenen Kinder hatten,
widmete sie sich ein Leben lang Pflegekindern. Sie zog sieben Kinder auf, von denen
sie und ihr Mann drei Kinder adoptierten. Außerdem gab sie vielen anderen Kindern
für kürzere oder längere Zeit ein Zuhause. Als eine Lehrerin unserer Schule sie einmal fragte,
wie viele Kinder dies wohl gewesen seien, meinte sie: "Hundert waren es wohl."
Um all diese Kinder kümmerte sie sich liebevoll wie eine Mutter.
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Kinder lagen der Gräfin Maria Bertha sehr am Herzen.
Wenn früher eine ärmere Familie in der Gegend von Borgholzhausen ein Baby bekam,
beschenkte sie diese Leute. Sie organisierte Teile der Babyausstattung
und strickte für das Neugeborene Höschen oder Jäckchen.
Als es nichts zu kaufen gab, stellte sie eine vollständige Babyausstattung zusammen,
nähte Windeln und strickte und häkelte. Sie besorgte auch ein Körbchen und Kissen.
Diese Ausstattung wurde dann in Borgholzhausen bei Bedarf von Familie zu Familie weitergegeben.
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Auch um ältere Kinder kümmerte sich Gräfin Maria Bertha, wenn die Familie in Not war.
Nach dem 2. Weltkrieg hat sie viele Kinder aus Bielefeld bei sich in Brincke aufgenommen.
Das war für diese Kinder zum Beispiel nötig, wenn der Vater noch nicht zurück aus dem Krieg war
und wenn die Mutter den ganzen Tag das Geld für die Familie verdienen musste und wenn das Haus der Familie
durch Bomben zerstört war.
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Eine besondere Leidenschaft galt der Medizin und Krankenpflege.
Als junges Mädchen hatte sie Medizin studieren wollen. Ihre Mutter hatte es ihr aber nicht erlaubt,
ihr Vater war zu dem Zeitpunkt schon gestorben. Wenn nun früher Leute in der Umgebung von Gut Brincke
krank waren und Hilfe brauchten, so kam die Gräfin und sorgte für den Kranken und die Familie.
Oft musste sie weite Wege zu Fuß gehen. Sie stellte heilende Tees her und brachte sie mit.
Lag die Mutter krank im Bett, kochte sie das Essen für die Familie und kümmerte sich um die Kinder.
Wenn sie selbst keine Zeit dazu hatte, dann schickte sie einige Mädchen, die bei ihr auf Gut Brincke arbeiteten.
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Aber auch ganze Familien mit Vater, Mutter und Kindern haben bei
ihr auf Gut Brincke gewohnt. Nach dem 2. Weltkrieg gab es viele Familien, die aus ihrer Heimat
fliehen mussten und zum Beispiel nach Borgholzhausen kamen und so gut wie nichts mehr hatten.
Solchen Familien hat die Gräfin Maria Bertha gerne geholfen.
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Berühmt war Gräfin Maria Bertha für ihre Kügelchen gegen Keuchhusten.
Die Gräfin stellte dieses homöopathische Mittel nach einem alten Familienrezept her und Borgholzhauser
Kindern aus mehreren Generationen hat es geholfen.Auch von weit her kamen Leute, um es für ihre kranken Kinder zu holen.
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Besteht nun noch Lust auf eine kleine Anekdote?
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Hier ist sie (frei nacherzählt nach Wilhelm Fredemann, aus dem
Buch: Seltsame Geschichten aus einem Adelshaus, Verlag
das Viergespann 1980):
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Die
Gräfin Maria Bertha war sich für keine Arbeit im Haus
zu schade.
Sie zog ihr Waschkleid an, band die Schürze um,
band sich
ein Tuch um den Kopf und zog Holzschuhe an.
So fing sie an, die Treppe
vor dem Gutshaus zu schrubben.
Da kam ein modernes Auto vorgefahren und ein eleganter
Herr stieg aus.
Er verlangte unhöflich den Grafen zu sprechen und bestand
darauf,
zu ihm geführt zu werden.
Die Gräfin stellte Eimer
und Besen
zur Seite und zeigte ihm freundlich den Weg.
Nach kurzer Zeit kam der elegante Herr mit rotem Kopf
und wütend
zurück.
Er hatte dem Grafen nämlich nichts verkaufen
können.
An der Treppe blieb er bei der vermeintlichen Putzfrau stehen und
meinte:
„Ich würde an Ihrer Stelle kündigen.
Für diesen hochnäsigen
Grafen würde ich nicht putzen.
Arbeiten Sie für meine
Frau! Wir
bezahlen Ihnen bestimmt mehr als der Graf.“
Die Gräfin lehnte ruhig ab und
erklärte, sie sei hier verheiratet.
Der Fremde wollte deshalb wissen, ob sie mit dem Kutscher oder
einem
anderen
Bediensteten verheiratet war.
Da erklärte die
Gräfin: „Nein,
der Graf von Kerssenbrock ist mein Mann.“
Der fremde Mann soll einen riesigen Schreck bekommen
haben,
eine Entschuldigung
gemurmelt haben und weggeschlichen sein.
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