Gräfin-Maria-Bertha-Grundschule Borgholzhausen
Gräfin Maria Bertha von Kerssenbrock


  1. Wer war eigentlich Gräfin Maria Bertha?


  2. Warum hat sich unsere Schule diesen Namen ausgesucht?


  3. Was für ein Mensch war sie und was hat sie getan, dass unsere Schule nach ihr benannt wurde?


  4. Besteht nun noch Lust auf eine kleine Anekdote?


Bild von Gräfin Maria Bertha


Wer war eigentlich Gräfin Maria Bertha?



Mit vollem Namen hieß sie Maria Bertha Gräfin von Korff gen. Schmising-Kerssenbrock.
Am 16. Oktober 1907 wurde sie als Reichsgräfin von und zu Westerholt und Gysenberg geboren
und heiratete 1929 Alois Graf von Korff gen. Schmising-Kerssenbrock.

Bild von Gräfin Maria Bertha mit Mann
Bild von alter Gräfin Maria Bertha

Sie wohnte nach ihrer Heirat auf Gut Brincke in Barnhausen, nannte sich Maria Bertha von Kerssenbrock und starb am 6. Juli 1998 im Alter von 90 Jahren.
Barnhausen ist ein Stadtteil von Borgholzhausen.
Die Barnhauser Kinder besuchen unsere Schule.

Familienwappen



einfache Linie



Zeichnung unserer Schule: Maria Kütemeier (10 Jahre)

Zeichnung unserer Schule: Maria Kütemeier (10 Jahre)



Warum hat sich unsere Schule diesen Namen ausgesucht?

Das werden die Lehrer unserer Schule immer wieder von Menschen außerhalb unserer Schule gefragt. 

Beim ersten Hinhören finden sie unseren Schulnamen viel zu lang. Sie finden auch, dass der Name wie aus früheren Zeiten klingt. Viele Borgholzhauser Bürger allerdings, die die Gräfin noch kannten, freuten sich mit uns über die Namensgebung durch den Stadtrat im Jahr 1999. Warum also wurde einer modernen Grundschule dieser Name gegeben?

Für uns steht der Name für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Er steht für Hilfsbereitschaft ganz besonders den Kindern gegenüber. Nicht ohne Grund wurde "unsere Gräfin" in der lokalen Presse die "Mutter Theresa des Ravensberger Landes" genannt.

Sie war ein großer Mensch, der unsere Hochachtung verdient und ein Vorbild sein kann.





Was für ein Mensch war sie und was hat sie getan, dass unsere Schule nach ihr benannt wurde?
Da gibt es Vieles:

Zeitlebens war sie ein bescheidener Mensch.  Sie lebte ganz einfach, trug einfache Kleidung wie Arbeitskleid, Schürze und früher Holzschuhe und machte die Arbeiten, die die meisten Frauen taten. Sie kochte, wusch die Wäsche, putzte das Haus und versorgte den Garten.

Obstschüssel
Maria Bertha mit Pflegekindern

Da ihr Mann und sie keine eigenen Kinder hatten, widmete sie sich ein Leben lang Pflegekindern. Sie zog sieben Kinder auf, von denen sie und ihr Mann drei Kinder adoptierten. Außerdem gab sie vielen anderen Kindern für kürzere oder längere Zeit ein Zuhause. Als eine Lehrerin unserer Schule sie einmal fragte, wie viele Kinder dies wohl gewesen seien, meinte sie: "Hundert waren es wohl." Um all diese Kinder kümmerte sie sich liebevoll wie eine Mutter.



Kinder lagen der Gräfin Maria Bertha sehr am Herzen. Wenn früher eine ärmere Familie in der Gegend von Borgholzhausen ein Baby bekam, beschenkte sie diese Leute. Sie organisierte Teile der Babyausstattung und strickte für das Neugeborene Höschen oder Jäckchen. Als es nichts zu kaufen gab, stellte sie eine vollständige Babyausstattung zusammen, nähte Windeln und strickte und häkelte. Sie besorgte auch ein Körbchen und Kissen. Diese Ausstattung wurde dann in Borgholzhausen bei Bedarf von Familie zu Familie weitergegeben.

Maria Bertha beim Stricken
zerbombte Häuser

Auch um ältere Kinder kümmerte sich Gräfin Maria Bertha, wenn die Familie in Not war. Nach dem 2. Weltkrieg hat sie viele Kinder aus Bielefeld bei sich in Brincke aufgenommen. Das war für diese Kinder zum Beispiel nötig, wenn der Vater noch nicht zurück aus dem Krieg war und wenn die Mutter den ganzen Tag das Geld für die Familie verdienen musste und wenn das Haus der Familie durch Bomben zerstört war.



Eine besondere Leidenschaft galt der Medizin und Krankenpflege. Als junges Mädchen hatte sie Medizin studieren wollen. Ihre Mutter hatte es ihr aber nicht erlaubt, ihr Vater war zu dem Zeitpunkt schon gestorben. Wenn nun früher Leute in der Umgebung von Gut Brincke krank waren und Hilfe brauchten, so kam die Gräfin und sorgte für den Kranken und die Familie. Oft musste sie weite Wege zu Fuß gehen. Sie stellte heilende Tees her und brachte sie mit. Lag die Mutter krank im Bett, kochte sie das Essen für die Familie und kümmerte sich um die Kinder. Wenn sie selbst keine Zeit dazu hatte, dann schickte sie einige Mädchen, die bei ihr auf Gut Brincke arbeiteten.

Pferdegespann

Aber auch ganze Familien mit Vater, Mutter und Kindern haben bei ihr auf Gut Brincke gewohnt. Nach dem 2. Weltkrieg gab es viele Familien, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und zum Beispiel nach Borgholzhausen kamen und so gut wie nichts mehr hatten. Solchen Familien hat die Gräfin Maria Bertha gerne geholfen.

Berühmt war Gräfin Maria Bertha für ihre Kügelchen gegen Keuchhusten. Die Gräfin stellte dieses homöopathische Mittel nach einem alten Familienrezept her und Borgholzhauser Kindern aus mehreren Generationen hat es geholfen.Auch von weit her kamen Leute, um es für ihre kranken Kinder zu holen.

Gläser mit Kugeln




Besteht nun noch Lust auf eine kleine Anekdote?


Hier ist sie (frei nacherzählt nach Wilhelm Fredemann, aus dem Buch: Seltsame Geschichten aus einem Adelshaus, Verlag das Viergespann 1980):


      Maria Bertha als alte Frau

Die Gräfin Maria Bertha war sich für keine Arbeit im Haus zu schade.
Sie zog ihr Waschkleid an, band die Schürze um, band sich ein Tuch um den Kopf und zog Holzschuhe an.
So fing sie an, die Treppe vor dem Gutshaus zu schrubben.
Da kam ein modernes Auto vorgefahren und ein eleganter Herr stieg aus. 
Er verlangte unhöflich den Grafen zu sprechen und bestand darauf, zu ihm geführt zu werden. 
Die Gräfin stellte Eimer und Besen zur Seite und zeigte ihm freundlich den Weg.
Nach kurzer Zeit kam der elegante Herr mit rotem Kopf und wütend zurück. 
Er hatte dem Grafen nämlich nichts verkaufen können. 
An der Treppe blieb er bei der vermeintlichen Putzfrau stehen und meinte:
„Ich würde an Ihrer Stelle kündigen. Für diesen hochnäsigen Grafen würde ich nicht putzen. 
Arbeiten Sie für meine Frau! Wir bezahlen Ihnen bestimmt mehr als der Graf.“
Die Gräfin lehnte ruhig ab und erklärte, sie sei hier verheiratet. 
Der Fremde wollte deshalb wissen, ob sie mit dem Kutscher oder 
einem anderen Bediensteten verheiratet war.  
Da erklärte die Gräfin: „Nein, der Graf von Kerssenbrock ist mein Mann.“
Der fremde Mann soll einen riesigen Schreck bekommen haben, 
eine Entschuldigung gemurmelt haben und weggeschlichen sein.