Interview über bedeutende, verstorbene Personen


Interview mit Verwandten von Gräfin-Maria-Bertha

Kris und Oskar aus dem 4. Schuljahr interviewten Adelheid Gräfin von Kerssenbrock-Praschma und ihre Tochter Friederike.
Gräfin Adelheid ist Mutter von acht Kindern und eine Schwiegertochter der Gräfin Maria Bertha. Friederike, die heute längst erwachsen ist und selbst Kinder hat, ist eine Enkeltochter der Gräfin Maria Bertha.

 

Frage 1: Wie heißt Gräfin Maria Bertha mit vollem Namen?

Gräfin Adelheid: „Sie hieß Maria Bertha Gräfin von Korff genannt Schmising Kerssenbrock, geborene Reichsgräfin von und zu Westerholt und Giesenberg.“  

Frage 2: Wann wurde die Gräfin geboren?

Gräfin Adelheid:  „Geboren wurde sie am 16. Oktober 1907. Gestorben ist sie 6. Juli 1998." 

Frage 3: Woher stammte Maria Bertha?

Enkeltochter Friederike: „Geboren und aufgewachsen ist sie auf Haus Sythen. Das ist bei Haltern. 

Als Maria Bertha 14 Jahre alt war, hat sie schon ihren Papa verloren. Der wurde erschossen. Das war so um das Jahr 1920. Der Vater hatte einen Wilderer erwischt. Zu der Zeit war Wildern (Jagen von Waldtieren ohne Erlaubnis) ein schweres Verbrechen, für das man große Strafen bekam. Weil der Wilderer aber nicht bestraft werden wollte, hat er Maria Berthas Papa erschossen. Das war ein harter Schicksalsschlag für die Mutter, für Maria Bertha und ihre jüngere Schwester.

Da die Mutter keinen Sohn hatte, war sie automatisch aus der Erbfolge der Familie ausgeschlossen. Sie bekam zwar ihr Witwengeld. Aber durch die zwei Währungsreformen war das natürlich auch wieder weg. (In Deutschland gab es jeweils 1923 und 1948 eine Währungsreform. Das ist eine Einführung eines neuen Geldes und damit eine  Änderung des alten Geldwertes. Vielleicht wurde festgelegt, dass 100 Einheiten des alten Geldes nur noch 1 Einheit des neuen Geldes waren. Alle Geldbesitzer waren damit auf einen Schlag viel ärmer.)

Frage 4: Wie ist die Gräfin nach Borgholzhausen gekommen?

Gräfin Adelheid: „Sie hat hier den Grafen Alois von Kerssenbrock geheiratet. Das war am 14. Mai 1929. Es war eine ganz große Hochzeit. Das junge Paar wurde mit einem Viererzug des Reitervereins vom Bahnhof Borgholzhausen abgeholt."


Frage 5: Wo hat die Gräfin in Borgholzhausen gewohnt?

Gräfin Adelheid: „In Borgholzhausen hat sie in Schloss Brincke beziehungsweise im Herrenhaus von Haus Brincke gewohnt.“

Frage 6: Was können Sie uns zur Familie der Gräfin erzählen?

Gräfin Adelheid: „Maria Bertha und Alois hatten leider keine eigenen Kinder. Maria Bertha hat aber immer Kinder in Pflege gehabt und hat nachher auch drei adoptiert."

 

Frage 7: Was war das Besondere an der Gräfin?

Gräfin Adelheid: „Sie war sehr sozial eingestellt. Sie gab Babywäsche aus und kümmerte sich um junge Familien. Kranke Mütter lagen ihr besonders am Herzen. Die hat sie versorgt.“

Enkeltochter Friederike: „Im Borgholzhausener Taufregister kann man Gräfin Maria Bertha ganz oft als Taufpatin erlesen. Ich denke, sie wurde deshalb als Taufpatin ausgewählt, weil sie sehr beliebt war und weil sie vielen Familien half, indem sie Kindergarnituren verschenkte oder auslieh.“
Gräfin Adelheid: „Die homöopathischen Mittel, die hier im Haus Brincke bereits existierten, gab Gräfin Maria Bertha gerne aus – z.B. ein Mittel gegen Keuchhusten. Damit wurden gute Erfolge erzielt. Dann gab es ein Mittel gegen Fallsucht (Epilepsie). Mit Kräutern kannte sie sich ebenso gut aus.“

Frage 8: Wie ist es für Sie, mit der Gräfin verwandt zu sein?

Gräfin Adelheid: „Sie ist mir ein Ansporn, ihr nachzueifern.“

 

Frage 9: Welche Ähnlichkeiten haben Sie mit Gräfin Maria Bertha?

Gräfin Adelheid: „Gar keine! Wir beide sind nämlich nicht blutsverwandt.“

 

Frage 10: An welches besondere Erlebnis mit der Gräfin können Sie sich erinnern?

Gräfin Adelheid: „An einem Nachmittag hatte ich ihr meine älteste Tochter zum Aufpassen überlassen. Ich wollte in der Zwischenzeit im Garten arbeiten. Da geschah es, dass sich meine älteste Tochter eine ganze Kanne frisch gebrühten Kaffee über den Körper goss. Sie war damals ein Jahr alt und musste dann nach Bethel ins Kinderkrankenhaus. Da sagte mir der Chefarzt: „Mir sind schon Kinder mit weniger Verbrennungen gestorben.“ Das war für mich ein ganz schwerer Schlag. Meine Tochter hat es aber durchgestanden und ist wieder gesund geworden.“

Frage 11: Können Sie uns noch etwas über Gräfin Maria Bertha erzählen?

Enkeltochter Friederike: „Ich kann mich erinnern, dass sie immer fleißig war. Sie war immer ganz einfach gekleidet. Als wir Kinder waren, sahen wir sie immer morgens und abends zum Hühnerstall gehen. Sie war immer beschäftigt. Auch wenn sie im Stuhl saß, war sie beschäftigt. Dann hat sie zum Beispiel gestrickt. Sie hat sich auch um die Kirche gekümmert.“

   

Gräfin Adelheid: „Es kamen Besucher hierher, um sich das Haus Brincke und die Kapelle anzusehen. Dann kniete sie hier irgendwo in den Beeten und jätete Unkraut. Die Besucher wunderten sich, dass diese Arbeiterin so gute Perlenohrringe trug. Einer hat sie einmal gefragt: „Haben Sie die für treue Dienste bekommen?“ „Ja“, hat sie geantwortet. „Ich bin schon dreißig Jahre hier auf dem Gut beschäftigt und darum habe ich die bekommen.“

Enkeltochter Friederike: „Sie war immer ganz bescheiden. Dafür spricht auch diese andere Geschichte, die ihr kennt und schon im Internet veröffentlicht habt. Ihr erinnert euch an die Geschichte von dem Kaufmann, der zu ihrem Mann wollte. Da hat sie sich zunächst gar nicht zu erkennen gegeben. Sie war bescheiden und hat so getan, als wäre sie hier eine Arbeiterin. Sie hat Spaß daran gehabt, dass die Menschen ganz doll staunten, wenn sie erkannten, dass sie hier die Gräfin war.“

Frage 12: Unsere Schule wurde nach der Gräfin benannt. 
                 Was denken Sie – warum?

Enkeltochter Friederike: „Ich denke, dass die Schule jemanden oder einen Namen von jemandem gesucht hat, der gerne Kinder gemocht hat und der hier in der Gegend eine Art Vorbildfunktion übernommen hat und der deshalb geehrt werden sollte.“

Frage 13: Wir haben die ganze Zeit über Gräfin Maria Bertha gesprochen. Bitte erzählen Sie uns etwas über sich selbst! Wie heißen Sie?

Gräfin Adelheid: „ Ich bin die Schwiegertochter und die Nichte von Gräfin Maria Bertha. Ich heiße Adelheid Gräfin von Korff genannt Schmising Kerssenbrock, Gräfin Praschma, Freifrau von Bilkau. Ich bin eine geborene Freiin von Elverfeldt genannt von Beverförde Werries.“

Frage 14: Wie kann es sein, dass Sie die Schwiegertochter und Nichte sind?

Gräfin Adelheid: „Mein Mann ist als Kind hier in Brincke adoptiert worden, weil Maria Bertha keine eigenen Kinder hatte. Ich stamme ...“

Enkeltochter Friederike: „Dies hier ist die Familie von meiner Mutter Adelheid. Das sind ihre Mutter und ihr Vater. Adelheids Mutter ist eine Schwester von Alois, also eine Schwester des Ehemannes von Gräfin Maria Bertha. Die Eltern von Alois hatten 11 Kinder, drei Jungen und 8 Mädels. Zwei Jungen sind im Ersten Weltkrieg gefallen. Der Alois war gehbehindert und brauchte nicht in den Krieg. So konnte er als männlicher Nachkomme der Familie Korff genannt Schmising Kerssenbrock Gut Brincke übernehmen. Adelheids Mutter war Alois’ jüngste Schwester. Sie war die einzige, die geheiratet hat. Die anderen Schwestern sind Ordensschwestern oder Krankenschwestern beim Malteser Orden geworden. So gab es nur diese Kinder als Nachkommenschaft und eine davon ist unsere Mutter. 

Meine Mutter, Gräfin Adelheid, war nicht nur die Schwiegertochter und Nichte der Gräfin Maria Bertha. Sie war auch Alois’ Patenkind, also das Patenkind des Ehemannes von Gräfin Maria Bertha, der ihr Onkel war.“

Interviewer: Kris und Oskar aus der Klasse 4c, Schuljahr 2009/2010    

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